Mit der AFIR hat Europa einen wichtigen Rahmen für den Aufbau von Wasserstoffinfrastruktur geschaffen – insbesondere für den Schwerlastverkehr. Die Erfahrungen aus Planung und Betrieb zeigen jedoch: AFIR-konform heißt noch nicht automatisch praxistauglich. Eine Tankstelle kann formal alle Anforderungen erfüllen – und dennoch im Betrieb an Grenzen stoßen, etwa bei Betankungsleistung, Verfügbarkeit oder der Zugänglichkeit für schwere Nutzfahrzeuge.
Genau hier setzt die CEP-Empfehlung an: Die bestehenden Ziele für die kommenden Jahre bleiben eine wichtige Grundlage. Entscheidend ist jedoch, wie Infrastruktur technisch ausgelegt, bewertet und betrieben wird. Die Empfehlung baut dabei auf den vorhandenen technischen Referenzpapieren der Clean Energy Partnership zu AFIR-Vorgaben und zur Auslegung leistungsfähiger Wasserstofftankstellen für schwere Nutzfahrzeuge auf – und überführt diese Erfahrungen in konkrete Anforderungen an Regulierung und Umsetzung.
Ein zentraler Punkt ist das Verständnis von Kapazität: Für den Schwerlastverkehr ist nicht die nominelle Tageskapazität entscheidend, sondern die tatsächlich verfügbare Abgabeleistung im relevanten Zeitfenster. Infrastruktur muss so ausgelegt sein, dass Back-to-back-Betankungen, stabile Betankungsprofile und ein verlässlicher State of Fill unter realen Bedingungen möglich sind.
Daraus ergeben sich konkrete Anforderungen an Anlagendesign und Betrieb – etwa hinsichtlich Dispenserleistung, Speicher- und Verdichterauslegung sowie thermischem Management.
Auch technologisch braucht es einen differenzierten Ansatz: 350 bar als etablierter Standard, 700 bar als zentraler Referenzpunkt für neue Anwendungen und Flüssigwasserstoff (LH₂) für hohe Durchsätze und Langstreckenverkehr. Diese Optionen sind komplementär und müssen über klare Schnittstellen, Protokolle und Standards interoperabel gemacht werden.
Neben der Technik bleibt die Umsetzung ein Engpass: komplexe Genehmigungsverfahren, uneinheitliche Anforderungen und fehlende Klarheit bei Zuständigkeiten verzögern den Ausbau.
Die CEP-Empfehlung bündelt diese technischen und operativen Erfahrungen und zeigt auf, wie die AFIR so weiterentwickelt werden kann, dass Infrastruktur nicht nur regulatorisch konform ist, sondern im realen Einsatz zuverlässig funktioniert – und so zu einer tragfähigen Grundlage für die Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs wird.
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